Am Donnerstagvormittag haben wir uns auf den Weg zum Yala Nationalpark gemacht. Dort gibt es einige Eingänge. Block 1&2 gehören zu den meistbesuchtesten, da dort die meisten Leoparden Sichtungen sind. (Eine Sichtung kann heißen, dass der Leopard 100m entfernt in einer Baumkrone liegt und er ohne Fernglass quasi nicht zu sehen ist.) Trotzdem hoffen viele darauf. Das heißt dann aber auch wieder 200 Jeeps pro Tag. Das wir davon keine Fans sind, sollte inzwischen klar sein. Deshalb sind wir zu Block 5 gefahren, wo die Wahrscheinlichkeit einen Leoparden zu sehen zwar eher gering ist, dafür aber nur eine Hand voll Jeeps im Park sind.
Nachdem wir von unserem Safari Fahrer abgeholt wurden, machten wir uns auf die fast unmöglich Suche nach dem Leoparden. Es ging über Stock und Stein. Jeder erdenkliche Weg wurde abgesucht. Bis wir an einen See kamen und unser Fahrer meinte er müsse bis fast ans Wasser fahren. Plötzlich drehten die Reifen durch. Wir steckten fest. Und weit und breit war weder Hilfe in Sicht, noch hatten wir Handyempfang (und aussteigen ist auch eigentlich verboten). Wir dachten, unser Fahrer hat wenigstens Sandbretter dabei, die wir unter die Reifen legen könnten. Fehlanzeige! Also wurde die Seilwinde rausgezogen. Doch sehr lang war diese auch nicht. Der nächste Baum war viel zu weit entfernt. Nur ein gefühlt prä-historischer Baumstumpf, der aussah als würde er gleich abbrechen stand uns zur Verfügung! Wir hatten Glück im Unglück. Der Baumstumpf hielt und die Seilwinde zog uns langsam aber sicher aus dem Matsch raus. Was für ein Abenteuer!





So ganz begeistert waren wir nicht. Da uns diese Aktion locker 30 Minuten Zeit gekostet hatte und uns diese Zeit bei der Suche nach dem einen Leoparden und den anderen Tieren dann fehlte.
Ein „Sorry“, kann man in dieser Kultur allerdings nicht erwarten. Während wir in Deutschland in einer Schuldkultur leben, wo die erste Frage ist, wer die Schuld hat und wie man damit umgeht (z.B. sich entschuldigen), gibt es hier (wie in ganz Asien) eine Schamkultur. Sich zu entschuldigen würde ein Gesichtsverlust bedeuten, geht also gar nicht. Man lächelt und lacht über Fehler die passieren. Die Schuld wird wenn dann still und heimlich „wiedergutgemacht“. Etwas das man vorab wissen muss, um die Menschen nicht falsch zu verstehen. So auch unser Safari Guide: Er suchte jetzt noch schneller und intensiver die Gegend ab.
Um 18:00 Uhr mussten wir dann wieder aus dem Park rausfahren. Wir hatten keinen Leoparden gesehen. Dafür jede Menge Affen, Vögel wie Pfaue, Eisvögel und Wasserbüffel, die uns immer böse angestarrt hatten.










Etwas enttäuscht passierten wir das Eingangstor. Doch statt geradeaus auf den Parkplatz zu fahren, bog unser Fahrer links ab und fuhr die Straße entlang. Sandun erklärte uns, dass ein anderer Jeep einen Leoparden von der Hauptstraße aus gesehen hatte. Wir fuhren zu dem Jeep, doch die Katze war nirgendwo zu sehen. Aber: Die Affen krakeelten lautstark in den Bäumen also war sie wohl recht nahe. Wir waren vorsichtig optimistisch aber so ganz waren wir uns noch nicht sicher. Nach etwas vor und zurück fahren, drehte unser Jeep abrupt um und fuhr circa 100m zurück in Richtung Parkeingang. Sandun gestikulierte lebhaft zum Straßenrand – wir konnten unseren Augen kaum glauben: Etwas unterhalb von der Straße war ein kleines Wasserloch. Und dort, direkt sichtbar, vielleicht 5m entfernt, lag er und trank. Was für ein Privileg! Wir durften der Raubkatze mehrere Minuten beim Trinken und anschließendem Entspannen im Busch zuschauen. Sie ließ sich nicht im Geringsten von uns stören.




Auf der Straße war von der Ruhe nicht viel zu merken – inzwischen hatten mehrere Safari Jeeps die Straße quasi blockiert, was bei den anderen Verkehrsteilnehmern (Bussen und LKWs) auf wenig Gegenliebe stieß. Auch wenn man sie auf den Leoparden hinwies, kam von ihnen nur ein Schulterzucken oder Desinteresse. Anscheinend teilte die lokale Bevölkerung unser Interesse an der Grosskatze nicht im geringsten. Auf dem Weg zum Parkplatz begegnete uns dann noch ein Elefant, der munter am Straßenrand sein Abendessen genoss. Was für ein Abschluss für diese Safari. Besser hätte man ein Drehbuch für diesen Nachmittag wahrlich nicht schreiben können.

